Was muss Bildungspolitik leisten: Informatik als Schulfach? Digitale Mündigkeit? Digitale Kompetenz?

Clever&Smart mit Eule

Veranstaltungsbericht: Clever & smart – bildungspolitische Gespräche
4. April 2017: DigitalPakt#D oder Error 404?

Wenn Kita, Schule und Uni das leisten, was sie leisten sollen, dann werden die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen fit für die Zukunft. Nicht nur für den Beruf, sondern für ihre ganz persönliche, eigene Zukunft. Wer dieses Ziel im Auge hat, kommt an digitaler Bildung nicht vorbei. Denn das Zeitalter, in dem Computer moderne Schreibmaschinen oder Spielautomaten für das Kinderzimmer waren, ist längst vorbei. Mikroprozessoren befinden sich inzwischen in so vielen Geräten, dass eine Differenzierung zwischen der analogen und der digitalen Welt nur noch bedingt Sinn macht. Wer aber nicht versteht, wie die Welt um ihn herum funktioniert, der kann die Welt weder beeinflussen noch sich selbstbestimmt in ihr bewegen.

Also: Sind Coden, Programmieren, Algorithmen in Kita, Schule und Universitäten nicht längst überfällig? Wann fängt man damit an? In der Kita? In der Grundschule? Naht das vorzeitige Ende einer unbeschwerten Kindheit, wenn man früh anfängt, IT-Kompetenzen zu vermitteln? Oder werden umgekehrt Chancen vertan, wenn man das Thema Programmieren und digitales Lernen zu spät anpackt? Wie begeistere ich nicht nur Jungs, sondern auch Mädchen vom Prog’n und Hacken? Sollten Open Education Resources mehr in den Blick genommen werden?

Und wenn ich das Ob geklärt habe: Wie sieht es dann mit dem Wo, Wer, Was und Wie aus? Und nicht zuletzt: Was muss die Bildungspolitik unternehmen, damit Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Deutschland mit ihren digitalen Kompetenzen aufholen?

Bevor wir all das diskutiert haben, konnten die Besucher*innen Workshops besuchen: Calliope, Arduino, Sonic Pi durften unter fachlicher Begleitung ausprobiert werden, moderne Lernmanagementsysteme und freie Bildungsmaterialien wurden vorgestellt. Auch die Hacker School stellte sich vor. Das Interesse war groß und es freut mich besonders, dass auch bisherige Laien großes Interesse gezeigt haben.

In der anschließenden Diskussion im coolen betahaus mit unseren Expert*innen waren sich natürlich alle einig, dass eine informatische Grundbildung unbedingt und bald flächendeckend sichergestellt werden muss. Die digitale Revolution ist längst im Gange und Deutschland hinkt gewaltig hinterher. Schule alleine, Lehrkräfte alleine werden den Anschub nicht leisten können – aber sie werden kooperieren müssen mit den bereits längst aktiven Unternehmen. Das Wissen ist da, es muss nur endlich in die Schule. Dabei wird auch der Mädchen- bzw. Frauenförderung eine besondere Bedeutung zukommen – wie auch Frau Prof. Dr. Schirmer unwidersprochen dargelegt hat.

Die Politik muss das fördern – und zwar nicht nur mit Geld, sondern auch mit der Schaffung eines Bewusstseins in der Gesamtgesellschaft. Die Bürger*innen und Jugendlichen werden nicht einfache Anwender*innen bleiben (können), es braucht einen mündigen Umgang in unserer neuen digitalen Welt. Vom bevorstehenden Fachkräftemangel ganz zu schweigen.

Kleine Unternehmen, die sich der digitalen Bildung verschrieben haben, benötigen unsere Unterstützung. Sie leisten das, was Politik bisher versäumt hat – unsere Kinder und Jugendlichen auf die Zukunft vorzubereiten!

Unser Abend war erst der Anfang.

 

Wir danken:

David Cummins  & Andreas Ollmann für das Team der Hacker School
Marc Hannappel, BBS III Lüneburg
Oliver Hock, Kids4IT
Dr. Diana Knodel, AppCamps
Torsten Otto, SH-HILL
Nora Perseke, Calliope mini
Prof. Dr. Ingrid Schirmer, Universität Hamburg

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